Prof. Dr. Hans-Walter Schmidt-Hannisa
Germanistik, Galway

 

Kontakt

 

Prof. Dr. Hans-Walter Schmidt-Hannisa
German Studies School of Languages, Literatures and Cultures
National University of Ireland, Galway

E-Mail: h.schmidthannisa[at]nuigalway.ie
Homepage: http://www.nuigalway.ie
Forschungsprofil: www.culturaldreamstudies.eu/schmidt-hannisa 

 

Zur Person

 

Hans-Walter Schmidt-Hannisa ist seit 2005 Professor für Germanistik und Leiter des German Departments an der Universität Galway. Zahlreiche Aufsätze zur Literatur- und Kulturgeschichte der Traumaufzeichnung, zu ästhetischen, wissenschaftsgeschichtlichen und politischen Aspekten des Traums, u. a.: “Der Träumer vollendet sich im Dichter’. Die ästhetische Emanzipation der Traumaufzeichnung”, in: Burkhard Schnepel (Hg.): Hundert Jahre ‚Die Traumdeutung‛. Kulturwissenschaftliche Perspektiven in der Traumforschung. Köln 2001, 83-106 und “Zwischen Wissenschaft und Literatur. Zur Genealogie des Traumprotokolls”, in: Michael Niehaus/Hans-Walter Schmidt-Hannisa (Hg.): Das Protokoll. Eine Textsorte und ihre kulturellen Funktionen. Frankfurt/M. 2005, 135-164. Mitbegründer von The cultural history of dreams – a network of studies.

 

 

Die Traumaufzeichung als literarische Gattung

 

Im 19. Jahrhundert werden Traumaufzeichnungen in Tagebüchern und anderen autobiographischen Texten zu einem Massenphänomen. Ihnen zugrunde liegt der seit der Aufklärung vollzogene Paradigmenwechsel, Träume nicht mehr als von außen kommende Botschaften zu betrachten, sondern sie als ein an die Individualität des Träumers geknüpftes, lebensgeschichtlich verankertes Phänomen zu begreifen. Zu einer eigenständigen literarischen Gattung entwickelt sich die Traumaufzeichnung jedoch erst ab 1900. Während Träume im 19. Jahrhundert ausschließlich dann „literaturfähig” sind, wenn sie in umfassendere narrative Kontexte eingebettet sind, ist seit Friedrich Huchs Träume (1904) die Veröffentlichung dekontextualisierter Traumaufzeichnungen als Literatur belegt. Das Projekt untersucht anhand exemplarischer Texte von Isolde Kurz, Wieland Herzfelde, Walter Benjamin, Rudolf Leonhard und anderen die poetologischen und narratologischen Besonderheiten der Gattung und rekonstruiert ihre Geschichte im deutschen Sprachraum bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.